Von Kerteminde aus ging es mit vier Windstärken zurück in den Großen Belt. Hier lernten wir auch gleich die Stärken unserer ‚Rennziege‘ kennen. Die „Dockenhuden“ ging ab wie Schmidts Katze. Um ‚zu langsam‘ brauchten wir uns wirklich keine Sorgen zu machen. Dafür stellten wir auf diesem Schlag nach Nyborg fest, dass unser Regattaboot nicht nur wendig, sondern auch extrem leicht war. Zwei, drei Böen von fünfzehn, einmal siebzehn Knoten Wind erreichten uns und schon stand unsere „Dockenhuden“ beinahe senkrecht im Wasser. Schnell saßen wir alle oben auf der hohen Kante, dann wurde gerefft, und die Lage besserte sich.

Highlight dieses Schlags war definitiv dann die Große-Belt-Brücke, unter der wir durch mussten, wollten wir weiter nach Süden an Fünen vorbei. Noch am Vormittag hatte es eine längere Diskussion darüber gegeben, durch welches der Törchen – sprich, zwischen welchen Pfeilern hindurch wir segeln wollten, sollten und konnten. Hier ging es dann weniger um unseren Tiefgang, der uns in allen Häfen beschäftigen sollte, sondern um die Zwanzig-Meter-Höhe, die unser Schiff vorwies. Und – kleine Randnotiz, auch um das Verkehrstrennungsgebiet in der Mitte der Brücke, von dem Sportboote sich doch bitte fernzuhalten hatten, wie es mir aus dem Revierführer noch im Ohr klang. Also eine der anderen Durchfahrten auswählen, aber welche? Vielleicht nehmen wir einfach jene, durch die die drei Yachten vor uns fahren? Pragmatismus auf der ganzen Linie.

Große-Belt-Brücke
Große-Belt-Brücke

Stück für Stück tauchte das imposante Bauwerk aus dem trüben Himmel des Tages vor uns auf. Antje war längst, mit der Kamera bewaffnet, aufs Vorschiff gekrabbelt, um die Brücke in Ruhe bewundern zu können. Ich tat es ihr gleich. Das war schon enorm, was sich hier in Beton und Stahl über das Wasser spannte. Und im Vergleich dazu erschien mir sogar unsere sonst so große „Dockenhuden“ wie ein Spielzeug.

Fünen bei Nyborg
Fünen bei Nyborg

Hinter der Brücke, die wir unter Motor durchquert hatten, übernahm Jürgen das Ruder. Von hier aus steuerten wir schon wieder die Insel an. Es war wirklich nur ein kurzer Schlag von Kerteminde nach Nyborg. Vielleicht konnten wir ja noch etwas vom Ort anschauen? Aber erst einmal brauchten wir ein Plätzchen im Hafen. Antje wollte gern den Anleger fahren, aber wo war denn noch was frei für uns?Der erste Versuch führte uns zwischen eine Reihe von Dalben an Bug und Heck am Kopfende eines Stegs. Möglich, aber nicht schön. Definitiv auch nicht vorgesehen, denn am Steg war nichts, um das Boot zu vertäuen. Und viel wichtiger: ‚Was sagt denn der Tiefenmesser hier?‘ Antjes Frage war berechtigt. Das war knapp, und die Ostsee hatte leider keinen Schlick, sondern nur harten Sand zu bieten. Schon in Kerteminde hatten wir beobachtet, dass sich das Boot – zwar wenig, aber immerhin – mit den Gezeiten hob und senkte. Wenn hier nun auch noch Wasser ablaufen sollte, würden wir mit unserem Tiefgang bald ein Problem haben. Also doch lieber noch mal an einen anderen Platz verholen. Aber einfacher gesagt, als getan. Zwischen den vier Dalben wieder hervorzukommen, war eine Zirkelei – gut, dass es Fender gibt! Schließlich lagen wir um einiges besser weiter innen im Hafen, erneut am Kopfende eines Stegs, dieses Mal aber recht kommod und unschlagbar dicht an den Hafengebäuden.

Nyborg Hafen
Nyborg Hafen

Mit der Stadtbesichtigung wurde es an diesem Abend allerdings nichts mehr. Alexander und ich hatten die Backschaft für den Tag übernommen. Wir verzogen uns in die Kombüse zum Schnippeln. Wir hatten Christians scharfe Kartoffeln („papas (patatas) arrugadas con mojo rojo“) mit Salat geplant und extra dafür noch bei uns auf dem Markt eingekauft. Dass wir ausgerechnet sozusagen Kartoffeln nach Samsø tragen würden, wurde uns allerdings erst während der Fahrt klar. Unsere Vorräte auf dem Boot dann gelagert zu bekommen, stellte sich darüber hinaus als Herausforderung dar. Der Schafskäse hatte die doch etwas längere Autofahrt zwar gut überstanden, stellte ich erleichtert und fast erstaunt fest. Die Gurke dagegen hatte uns die Lagerung im Kühlfach wirklich übel genommen. Sie war dort fast gefroren und schaute nun glasig drein. Als schwierig erwies sich, die richtige Menge an Kartoffeln zu kochen. Der Herd hatte seine besten Tage definitiv und trotz Franks Bastelkünsten hinter sich. Die Gasflamme unter dem Topf kam nur langsam in die Pötte, und mehr als einmal blickte die hungrige Crew fragend in die Kombüse und erntete entschuldigendes Schulterzucken.

Nyborg Hafen Sonnenuntergang
Nyborg Hafen Sonnenuntergang

Später am Abend nach gelungenem Dinner gewährte uns die Sonne dann einen dunkelroten Abschied über dem blauen Hafenbecken. Lange standen wir an Deck und verfolgten das Farbenspiel am Himmel und auf dem Wasser.