Und plötzlich, in einem Moment, begannen die Figuren auf dem Platz, sich zu bewegen. Sie streckten ihre bronzenen Glieder – langsam und dennoch deutlich, sodass man Angst haben konnte, ihre Arme und Beine gingen ihnen dabei zu Bruch. Die alte Frau rückte ihre Frisur zurecht, der Herr kratzte sachte das Revers über seiner Weste. Er öffnete seine leeren Augen und wandte sich nach ihr um. Für einen Moment erschien es ihr, als wolle er etwas zu ihr sagen. Aber der geöffnete, zahnlose Mund blieb stumm.

Suermondtplatz Aachen 2018
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Benommen von diesem ersten Eindruck folgte ihr Blick dem Flug eines kleinen Schmetterlings. So schön! Über den ganzen Platz hinweg kam er auf sie zu, zu ihr. Kurz umschwärmte er die alte Dame, die ihre Hände tief in die Taschen ihrer metallenen Schürze gesteckt, die Schultern wie zu einem schweren Seufzer gehoben hatte und doch auch stumm blieb wie ihr Nachbar.

Suermondtplatz Aachen 2018
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Die Farben des Insekts leuchteten, schienen jeden Winkel des Platzes auszufüllen. Das Flügeltier kam ganz nah, und sie zuckte zurück, als sie in dessen Augen Verwunderung zu lesen glaubte.

Im selben Augenblick erfüllte ein Schrei den ganzen Raum, breitete sich aus, rollte von Hauswand zu Hauswand. Der Körper schlug hart gegen den Backstein, blieb liegen, grotesk verdreht, blutend. Erschrocken sprang der Fahrer aus seinem Wagen. Wie angewurzelt blieb er stehen, als er sah, als er erkannte, was geschehen war. Ein Knäuel von Gliedmaßen, über welchem sich ein kleiner Admiral nun in den Nachthimmel schraubte. Er war spät dran in diesem Jahr…