Es war ganz aufregend. Ich sollte unbedingt gucken. Aber warum? Ich kam nicht sogleich dahinter. War immer noch trĂ€ge von MĂŒdigkeit. ‚Das ist doch einer von Deinen. Die Socke – die Socke!‘ wurde gefordert – damit war meine Fotokamera gemeint, die ich zum Schutz in einer Wandersocke transportiere. Doch hatte ich die Kamera da lĂ€ngst in der Hand und Ă€rgerte mich wieder einmal ĂŒber die Technik. Auf dem Display spiegelte sich alles und zu erkennen war nichts. Da blieb nur eins: eine Bildserie, irgendeines davon wĂŒrde schon was werden, hoffte ich, als der Seenotrettungskreuzer in voller Fahrt an uns vorbeipreschte. ‚Und – wer was es?‘ löcherte Alexander. ‚Die Anneliese Kramer?‘ fragte ich zurĂŒck. ‚Ich dachte, Du hĂ€ttest es gelesen.‘ Ich schwieg ĂŒber die Unannehmlichkeit des Displays, zuckte die Schultern. Meine Kamera war nun wirklich alles andere als ein Profiwerkzeug. Aber eines der vielen Bilder wĂŒrde uns spĂ€ter schon zeigen, wer da an uns vorbeigesaust war, an diesem frĂŒhen Nachmittag auf dem Weg nach Helgoland.

DGzRS Seenotrettungskreuzer "Anneliese Kramer" vor Cuxhaven
DGzRS Seenotrettungskreuzer „Anneliese Kramer“ vor Cuxhaven

Es waren wenige Boote unterwegs. Vielleicht, weil es mitten in der Woche war. Vielleicht, weil wirklich schlechtes Wetter angesagt war. An diesem Tag war aber alles noch gut. ‚Keine besonderen Vorkommnisse‘, wĂŒrde Alexander sagen. Und vor allem – keine Seekrankheit. Allein das festzustellen, machte mich happy.

Unter Deck wurde schon lĂ€ngere Zeit am Abendessen gefeilt. Irgendwann erreichte uns die Ansage, dass die fĂŒrs Mousse au Chocolate von Hand aufgeschlagene Sahne nun sicher im KĂŒhlfach verstaut sei. ‚Gut fĂŒrs Segeln auf Steuerbord-Bug‘, wie Christian versicherte. Also – keine Wenden fahren! Das war ein wirklich guter Grund


Nordsee
Nordsee

Unser Kurs fĂŒhrte uns mitten hindurch durch die Tiefwasser-Reede. Wie trist musste es sein, hier draußen auf den KĂ€hnen darauf zu warten, dass das Warten zu Ende ging!

UngefĂ€hr an diesem Punkt entdeckte Ben dann als erster die rote Felseninsel, die uns sogleich alle elektrisierte. Hatte man Helgoland erst einmal erspĂ€ht, fieberte man ihm unweigerlich entgegen – auch wenn man sich nichts Besonderes davon versprach, vielleicht sogar bloß einen kurzen Stopp fĂŒr ĂŒber Nacht. Ben und Max versprachen sich freilich viel. Beide waren noch nie auf der Insel gewesen. FĂŒr beide war es also echtes Neuland. Und spĂ€testens hier begann Bens Obsession fĂŒr Seehunde und Kegelrobben. Beinahe bis zum Ende unseres Törns wĂŒrden wir nun doppelt Ausguck halten, um fĂŒr ihn eines dieser Tiere zu erspĂ€hen. Auf Helgoland vermutete er – nicht zu Unrecht – ganze Rudel, allerdings gab es die nicht auf der Hauptinsel und schon gar nicht in HafennĂ€he. Er wĂŒrde sich noch eine ganze Weile gedulden mĂŒssen.

Mich dagegen ĂŒberraschte und begrĂŒĂŸte der rote Felsen gleich doppelt: Zuerst erspĂ€hte ich einen Basstölpel im Flug, dann schwamm eine Trottellumme in kurzer Distanz neben unserem Boot. Wie schön!