„Zucker-Likör“

SKS-Ausbildungstörn September 2018

Inhalt

Vorbereitungen

Sieben Uhr frĂŒh und die Leute stehen an Deck und bestimmen die Form der Wolken – das muss ein SKS-PrĂŒfungstag sein.

Wie wahr, wie wahr…

Dieses Jahr haben wir unsere AusrĂŒstung nicht nur um ein paar Seestiefel, sondern auch um richtiges Ölzeug ergĂ€nzt. Besonders stolz bin ich auf meine neue knallorange Jacke, die noch mehrere Woche nach dem Erwerb außen an unserem Kleiderschrank hing und deren Reflektoren nachts unser Schlafzimmer erhellten. Wahrscheinlich war es die Verheißung auf Abenteuer, die sie ausstrahlte, die dieses KleidungsstĂŒck fĂŒr mich im Wortsinne so anziehend machte. NatĂŒrlich war ich auch hochzufrieden, sie im Angebot zum halben Preis ergattert zu haben. So oder so, ist sie sicherlich das teuerstes KleidungsstĂŒck, das ich besitze. Von den Wandersachen, die wir fĂŒr die SchottlandausflĂŒge gekauft hatten, waren wir in dieser Beziehung ja schon einiges gewohnt. Aber Seglerzubehör lehrte uns, dass das obere Limit so gut wie offen war.

Nicht ganz so teuer – man wird bescheiden, was das Maulen ĂŒber Preise anbelangt – war die zugehörige Hose. DafĂŒr wartete sie mit einem ganz anderen Feature auf, von dem ich mir sicher bin, dass eigentlich nur MĂŒtter mit kleinen Kindern darĂŒber nachdenken. WĂ€hrend MĂ€nner – allem zufolge, was ich so gehört habe – den vorderen Eingriff ins Schießer-Feinripp verloren haben, dĂŒrfen Frauen nun hinten aufklappen. Emanzipation in neuen Dimensionen!

298,91 € – noch nie hatte ich fĂŒr so viel Geld Lebensmittel eingekauft. Drei Einkaufswagen voll schoben wir schließlich vom Laden zum Boot – wohlgemerkt nachdem wir uns als stolze JĂ€ger und Sammler mit unserer Beute auf dem Parkplatz hatten fotografieren lassen. Christian staunte nicht schlecht, was wir spĂ€ter alles an Bord trugen, und ermahnte uns eindringlich, dass wir auch ja alle versteckten Karotten, Brötchen und anderes Essen bloß wieder hervorholen sollten, bevor es anfangen wĂŒrde, uns freundlich zu begrĂŒĂŸen. TatsĂ€chlich war unsere Planung aber gar nicht so schlecht. Viermal wurde in dieser Woche frisch gekocht, Salat inklusive und zum Abschied gab es dann nur noch wenige Reste zu verteilen. Jedenfalls war ich heilfroh, Planung und Einkauf mit den anderen Crewmitgliedern zusammen erledigt zu haben. Nie im Leben hĂ€tte ich alleine die Menge der notwendigen EinkĂ€ufe vorab richtig eingeschĂ€tzt. 16 Tafeln Schokolade waren da nur eine der kleineren KuriositĂ€ten dieser Verproviantierung.

Nach diesem, im wahrsten Sinne des Wortes, Shopping-Erlebnis ging es fĂŒr uns dann erst einmal darum, das Schiff kennenzulernen. Die eine HĂ€lfte der Crew schaute sich an Deck um, die anderen verschaffte sich unterdecks einen Überblick ĂŒber Feuerlöscher, Seeventile, Elektrik, Motor und der gleichen mehr. Diese Dinge wĂŒrden uns in der folgenden Woche noch sehr intensiv beschĂ€ftigen. Andere machen Urlaub, wir hatten einen Ausbildungstörn auf der Unterelbe fĂŒr den SportkĂŒstenschifferschein, den SKS, gebucht. Sechs Tage Training mit anschließender PrĂŒfung – nach dem BĂŒffeln fĂŒr die Theorie im letzten Jahr sollte dieser Törn tatsĂ€chlich wie Ferien fĂŒr uns werden.

"Hamburg Express"
„Hamburg Express“

Zum Warmwerden gehörte auch eine kleine Runde durchs Köhlfleet. Roll-Groß und der Radeffekt der „Hamburg Express“, beides wichtige Dinge zu wissen, wollten wir spĂ€ter noch in der Nacht auf der Elbe segeln gehen.

Ein gemeinsames warmes Abendessen wurde dann genutzt, nicht nur das Boot, sondern endlich auch den Rest der Crew besser kennenzulernen. Erstaunt stellten wir fest, von wie weit her die Leute angereist waren, um an diesem Törn teilzunehmen. Dieses Mal waren sowohl MĂŒnchen als auch Regensburg mit von der Partie. Im Vergleich dazu hatten wir von der anderen Elbseite aus nun wirklich keine weite Anreise hinter uns…

Die SpĂ€tsommernacht hatte lĂ€ngst begonnen, als wir den Anleger in Finkenwerder verließen. Mit wenig Wind, aber voller Faszination fĂŒr das Lichterspiel der nĂ€chtlichen Elbe segelten wir flussabwĂ€rts unseren ersten kurzen Schlag nach Wedel. Der Mond erschien als gelbe Sichel ĂŒber dem Treppenviertel von Blankenese. Wie schön diese Stadt doch sein konnte.

Nur wenig spĂ€ter diskutierten wir etwas ironisch das FĂŒr und Wider eines Signaltons an der Einfahrt zum Wedeler Yachthafen. Wir entschieden uns schließlich mehrheitlich dagegen. Unser Logbuch verzeichnete 01:55 Uhr als Zeitpunkt fĂŒrs Festmachen am dortigen Anleger. Es wĂ€re ein fulminantes Ankommen gewesen, um diese Zeit den ganzen Hafen mit unserem Signalhorn zu beschallen… So oder so, gestaltete sich das Einlaufen aber gar nicht so ruhig, wie beabsichtigt, fĂŒhlte sich ein großer Wasservogel doch durchaus von uns gestört und suchte unter lautem Gezeter das Weite.

Wir bremsen nicht mit dem Steg…

Morgens in Wedel hieß es dann erst einmal, Platz machen. Dienstagvormittag hatten wir eigentlich nicht damit gerechnet, dass noch jemand unterwegs sein könnte – noch weniger damit, dass ausgerechnet die Eigner unseres Anlegeplatzes heimkehren wĂŒrden. Noch vor dem FrĂŒhstĂŒck mussten wir so also die Leinen losschmeißen und einen anderen Platz suchen. Nicht verkehrt, wĂŒrde es doch genau das sein, was wir in den folgenden Stunden zur Freude der in Wedel versammelten Seniorenschaft ĂŒben wollten: an- und ablegen, drehen auf engem Raum, Leinen schmeißen. – Nein, nicht helfen, die mĂŒssen ĂŒben – und der nĂ€chste bitte.

Mit geradezu stoischer Ruhe ertrug die Dame auf dem Motorboot neben unserer Übungsklampe die Fahrschule jenseits ihrer Buchseiten. Der Ă€ltere Herr drei Boote weiter hatte da schon lĂ€ngst die Zeitung gegen den Kinosessel im Cockpit getauscht.

Als die Tide uns schließlich einen grĂ¶ĂŸeren Aktionsradius zugestand, war es bereits mittags. Wir verließen mit ablaufendem Wasser den Hafen und segelten mit dem Strom flussabwĂ€rts. Sonne satt, aber immer noch kein Wind. DafĂŒr und trotz des beschaulichen Wetters purer Stress fĂŒr unseren „Skipper of the day“, den Christian nicht zu ermuntern aufhörte, doch mal zu prĂŒfen, ob man nicht doch dieses oder jenes Schlickloch – von den Einheimischen liebevoll als „Hafen“ tituliert – anlaufen könne, schließlich wollten wir doch Anlegemanöver an verschiedenen Orten trainieren. Unbeirrt ließ er uns auf engste Hafeneinfahrten zuhalten, um endlich doch dem immer hektischer werdenden Skipper zuzustimmen, dass es wohl keine so grandiose Idee sei, sich dort in den Matsch zu setzen. Auch Nerven können Muskeln sein, die es zu trainieren gilt – heißt es nicht auch „Willens-STÄRKE“?

Am zweiten Abend ankerten wir vor Pagensand. Ein Seeadler begrĂŒĂŸte uns dort bei unserer Ankunft. Seine krĂ€ftigen Schwingen trugen ihn mĂŒhelos in die NĂ€he unseres Bootes, das er sich interessiert anzuschauen schien, bevor er uns mit unserem StĂŒckchen Fluss und unserem Anker-Spiel wieder alleine ließ. Obschon September, war es an diesem SpĂ€tsommertag noch so warm, dass allgemein der Wunsch nach einer AbkĂŒhlung im Wasser aufkam. Gute 23 Grad Wassertemperatur – Badewannenwetter in der Elbe. Christian hatte nichts gegen das Ansinnen der Jungs auf ein Bad im Fluss einzuwenden, ermahnte uns aber, zuerst eine Schwimmleine zu knoten. Also schnell noch ein paar Fender an eine der Festmacherleinen geknotet und ab damit, achteraus ins Wasser. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, diese Aktion diene lediglich fĂŒr uns als Übung der verschiedenen Knoten in der praktischen Anwendung. Fleißig wĂŒrden wir dies in der folgenden Woche auch praktizieren. Waren ja auch praktisch diese Knoten. Wer hĂ€tte gedacht, dass man eine aufgeschossene Leine einfach am Backstag zum Trocknen festknoten konnte? Beeindruckt waren wir auch vom geworfenen Webleinstek und trainierten gerne Christians Methode, den Palstek so vorzubereiten, dass man ihn auch problemlos ĂŒber Kopf am Großbaum nutzen konnte oder wo auch immer sonst der Knoten gerade gebraucht und normalerweise nur schwer hingepfriemelt werden konnte. Den doppelten Achtknoten probierten wir wieder und wieder – doch an diesem Tag hinter Pagensand ging es tatsĂ€chlich in keiner Hinsicht um unsere Knoten-Kenntnisse. Das wurde klar, als die ersten vom Heck ins Wasser sprangen und beim Wiederauftauchen mit MĂŒh‘ und Not gerade noch ebenso den letzten der Fender an unserer Schwimmleine erwischten. Die Strömung des Flusses war unglaublich! Obwohl die Jungs nur wenige Meter achteraus schwammen, sah es so aus, als fĂŒhren wir ihnen mit hoher Geschwindigkeit davon. Man musste direkt aufblicken zur Insel neben uns, um sich zu versichern, dass wir in der Tat fest vor Anker lagen, und das Boot sich keineswegs von seiner Position entfernt hatte. SpĂ€testens jetzt waren alle froh, die Schwimmleine im Wasser zu haben, die wir vorher alle mehr oder weniger als Spielerei abgetan hatten.

SpĂ€ter stand dann noch Wetterkunde auf dem Übungsplan. Auswertung einer Analysekarte. Schon cool, wenn man solche Karten allmĂ€hlich auch zu lesen lernt wie anfĂ€nglich die Seekarten zur Navigation. Und doppelt schade, dass sie zwischenzeitlich so gĂ€nzlich aus den Abendnachrichten verschwunden sind. Was bliebe ĂŒbrig, wenn wir alles aussonderten, was die Leute angeblich nicht mehr interessiert? Wohl nicht sonderlich viel…

Noch etwas spĂ€ter konnten wir ĂŒber Pagensand dann einen herrlich klaren Sternenhimmel bewundern. Im SĂŒden leuchtete groß und rot der Mars. Er tanzte lustig durch mein Fernglas, mit dem ich ihm nĂ€herzutreten gedachte.

Spielen I

Der Logbuch-Eintrag fĂŒr die Stunden, in denen wir den Volvo-Motor der „Hamburg Express“ in allen Einzelheiten unter die Lupe nahmen, lautete „Badespaß“. Unser Skipper of the day war da wohl etwas zu optimistisch gewesen. Ja, die Jungs testen auch an diesem Tag den Fluss am neuen Ankerplatz auf seine BadequalitĂ€ten hin – und, hey, wie oft kam es schon vor, dass die Elbe Mittelmeertemperaturen aufwies?! Dennoch erschienen sie alle bald artig unterdecks zur nĂ€chsten Lerneinheit. Ich war erstaunt, sie alle plötzlich bei uns im Salon auftauchen zu sehen, hatten wir zwecks Motorenkunde doch schon vor einer Weile den Niedergang hochgeklappt und damit den Weg vom Cockpit aus versperrt. Durch die Bugluke waren sie alle hereingekrabbelt, der SKS-Törn hielt uns also in jederlei Hinsicht fit. Nun ging es aber erst einmal um die Beweglichkeit unseres Denkvermögens, mit welchem wir den Windungen des Volvos zu folgen versuchten.

Motorenkunde
Motorenkunde

Rafael war ganz begeistert davon. Von Berufswegen quasi mit diesen Dingen – wenn auch nicht gerade mit Bootsmotoren, wie er beteuerte – vertraut, inspizierte und erklĂ€rte er uns die Bestandteile und das Zusammenwirken von dem, was sich uns ĂŒbrigen im Wesentlichen als grĂŒner Monolith prĂ€sentierte. Sieben Leute hockten schlussendlich auf dem Boden vor der Maschine und suchten die Teile, die Rafael aufzĂ€hlte. ‚Ah, weiche Rohre, da muss Wasser durchfließen. Ja, hier und hier. Da zum WĂ€rmetauscher, dort die Impellerpumpe.‘ Christian hielt uns wohlweislich das passende Ersatzteil vor die Nasen, das namentlich immerhin sogar mir schon aus den TheorieprĂŒfungsfragen bekannt war. Andere Leute machen Urlaub…

‚Feste Rohre, das muss der Dieselzulauf sein.‘ Rafaels Begeisterung fĂŒr die Materie war direkt ansteckend. Schlussendlich machten wir alle Fotos von dem grĂŒnen Ding, als wĂ€re es eine neue Touristenattraktion auf unserem Törn. Flugs waren auch die Seitenverkleidungen in den beiden Achterkabinen entfernt und schon bot sich uns unser Volvo manierlich von allen Seiten dar.

Im Nachhinein erinnerte mich unser Treiben ein wenig an die Physikstunden in der Mittelstufe. Unser Lehrer, den wir alle respektvoll „TĂŒddel“ nannten, hatte einen Faible fĂŒr Versuchsaufbauten. RegelmĂ€ĂŸig erkor er jemanden aus unseren Reihen, der dann ratlos am großen Experimentiertisch vor dem Rest der Klasse stand und irgendwelche ominösen Schaltkreise zusammenbauen sollte. Jetzt hingegen experimentierten wir wissbegierig sozusagen am lebenden Objekt, suchten Seeventile, Einspritzpumpe, Filter…

Wenig spĂ€ter an diesem Tag waren wir alle dann heilfroh, dass im Gegensatz zu vielen ManöverĂŒbungen der vergangenen Tage unser Skipper beschloss, dass eben jener Motor ganz einwandfrei funktionierte. Als wir nach unserer Technik-Bastelstunde wieder an Deck kamen, stellten wir fest, dass sich am Horizont eine beachtliche Wolkenfront aufgebaut hatte, die es ganz eindeutig in unsere Richtung zog. Sehr untypisch fĂŒr Christian blieben die Segel unten, und wir motorten, so schnell es ging, zurĂŒck nach GlĂŒckstadt. Auf diesem StĂŒck lernten wir auch unsere wohl wichtigste Lektion in der Wetterkunde: ‚Merke: Ziehe Ölzeug an, wenn der Skipper mit selbigem im Cockpit auftaucht!‘

Henriette

‚Das war Mist! Ein Riesenbockmist war das!‘ so ungefĂ€hr lautete meine frustrierte EinschĂ€tzung zu meinem ersten Boje-ĂŒber-Bord-Manöver unter Segeln. TrĂ€nen in den Augen. Das wĂŒrde ich nie schaffen. Sechs Tage, das war die Ansage. Am Sonntag wĂŒrde die PrĂŒfung stattfinden, die Anmeldung war lĂ€ngst abgeschickt. Kein Weg wĂŒrde daran vorbeifĂŒhren. ‚So ein Schei…!‘ Viel zu lange hatte alles gedauert. NatĂŒrlich war ich auch voll in die Halse reingedonnert. Ansagen – auch das noch – können die nicht selber gucken, was sie tun mĂŒssen?!? Nein, können sie natĂŒrlich nicht, wenn du am Ruder stehst. Klare Ansagen. Kommandos immer zuerst mit einem Namen beginnen. Ja, verflucht, aber ich muss doch selbst erst einmal klarkriegen, was ich selbst eigentlich tun muss…

Nein, sonderlich erfreulich war meine erste persönliche Bekanntschaft mit Henriette nicht. Wahrscheinlich habe wir sie alle an diesem Tag mehr als ein Dutzend Mal verflucht – unsere Henriette. Groß wie ein Mensch, knallorange Schwimmweste, schwarze Stiefel, 40 Kilo schwer – nur 40 Kilo, also eher ein Kind als ein Erwachsener. Roberts erster Dummy fĂŒrs Boje-ĂŒber-Bord-Manöver wog noch gute 90 Kilo und lag damit deutlich nĂ€her an der ĂŒblichen menschlichen Crew auf Booten wie unserem. 40 Kilo – hatte ich die ĂŒberhaupt mal gewogen?

Das schöne an der eigenen Wohnung ist ja, dass man selbst entscheiden kann, was zur notwendigen Einrichtung gehören soll und was nicht. Eine Waage habe ich folglich nie besessen. FĂŒr so viel Ungemach muss man nicht auch noch Geld ausgeben. Es reicht doch, wenn man beim HosengĂŒrtel immer dasselbe Loch treffen kann oder? Sehr gefallen haben mir dazu die AusfĂŒhrungen der Mitarbeiterin im Botanischen Garten in Hamburg, die uns im FrĂŒhjahr eine FĂŒhrung durch ihren Garten gab. ‚Ich habe ja eine Winter- und eine Sommerfigur.‘ Ja, genau – wer nicht? Unsere Henriette zum Beispiel, die konstant ihr Fliegengewicht behielt, das uns stöhnen ließ beim Versuch, sie wieder zurĂŒck an Deck zu hieven. Schon das Über-Bord-Schmeißen war gar nicht so ganz ohne, aber im Laufe der Woche perfektionierten wir die Methode gezielter Fußtritte, um sie durch den schmalen Durchgang im Seezaun zu befördern. Zwischendurch durfte sie sich dann festgezurrt auf dem Mitteldeck ausruhen, nur des Nachts wurde es noch einmal etwas spooky mit ihr. Christian merkte irgendwann an, dass er sich irgendwie doch nicht so recht an das Schleifen toter Körper ĂŒber das Vordeck gewöhnen könne. Fred grinste dann wissend, zog er die Ärmste doch regelmĂ€ĂŸig als Schattenspender ĂŒber die Luke im Vorschiff.

Henriette mittschiffs
Henriette mittschiffs

Das Manöver, das Christian uns die Woche ĂŒber mit Henriettes Hilfe einstudieren ließ, war dagegen eine wahre Offenbarung. Hatten wir vor dem Törn noch gerĂ€tselt, wie man wohl ein Segelboot von 14 Tonnen punktgenau neben einer in den Wellen treibenden Boje mittels Aufschießer zum Stehen bringen sollte. Wind, Strom, Ausgangsgeschwindigkeit, Gewicht des Bootes… Viel zu viele Ausgangsparameter fand Alexander. Wie hĂ€tte ich ihm da widersprechen können. Zwar fĂ€ngt meine Profession auch mit „Ph“ an, endet aber eben nicht wie bei ihm mit „ysik“.

Statt dieses unĂŒbersichtlichen Aufschießer-Klassikers der LehrbĂŒcher brachte Christian uns ein wesentlich eleganteres Manöver bei, welches auch noch den charmanten Vorteil hatte, dass es verschiedene Pflichtaufgaben der PrĂŒfung gleich mit abfrĂŒhstĂŒckte: beiliegen z.B. und damit fing auch alles an. Henriette – schon wieder im Wasser. ‚Alles klar zum Beiliegen!‘ Wenden, kurz zurĂŒckkommen, all die Dinge virtuell erledigen, die dann zu tun wĂ€ren. Ohne allen Schnickschnack auf den Punkt gebracht, wie es jene russlanddeutsche MĂ€del bei unserer SBF-PrĂŒfung in so unvergleichlicher Weise getan hatte: ‚Du Rettungsring! Du Ausguck!‘ ‚Aye, aye!‘ Wir perfektionierten die Ansagen im Laufe der Woche ebenso wie die Taktik, nicht gerade denjenigen, der eben noch am Niedergang stand, nach achtern zum Rettungskragen und den Kollegen am Rettungskragen runter zum Funken zu schicken. Na ja, jedenfalls versuchten wir, das irgendwie auch noch im Blick zu behalten… Dann also raumschots weg. Fock bergen, wenden und am Wind zurĂŒck. Durch Fieren und Dichtholen des Groß‘ ließ sich die Geschwindigkeit regulieren und dann – nur noch, haha – Henriette aus dem Bach ziehen. Wichtig, Fred mit dem Bootshaken nach vorne schicken, seine zwei Meter LebensgrĂ¶ĂŸe hielten wir schlussendlich alle fĂŒr den entscheidenden Faktor. Leider, leider hatte unsere Henriette genauso wenig wie ein echtes Crewmitglied den schönen Griff der Markierungsboje, an dem man diese so leicht bergen konnte – selbst dann noch, wenn schon Eis daran hĂ€ngen mochte wie bei unserer SBF-PrĂŒfung, die im Februar und damit in einem jahreszeitlich doch etwas spannenden Monat fĂŒr diese Art von BetĂ€tigung auf dem Wasser angesiedelt gewesen war. Leider haben Menschen aber keine Griffe und folglich auch unsere Henriette nicht, nur eine Bergeschlaufe an der Rettungsweste. Mir wird immer noch anders, wenn ich daran denke, ich mĂŒsste einen echten Menschen mit diesem Ding, das sich so euphemistisch als „Rettungshaken“ bezeichnen ließ und doch von einem Fleischerhaken nicht zu unterscheiden war, zu fassen kriegen. Und selbst, wenn man diese GeschicklichkeitsĂŒbung heil ĂŒberstanden hatte, hing das dumme Ding – Verzeihung, Henriette! – immer noch gut einen halben Meter unter mir im Wasser. Auf dem Bauch liegend, um ĂŒberhaupt so weit runter reichen zu können, war an ein Hochziehen nicht zu denken. Was also dann? Variante 1: der Großbaum – wieder so eine Lehrbuchnummer. Ja, wenn man diesen verdammten SchĂ€kel dann auch irgendwie auf und wieder zu bekommen könnte. Keine Chance, keine MĂ€dchenmethode. Also Variante 2: das Gennaker-Fall. Yes! Lasst uns unbenutzte Fallen an Segelbooten anbringen, mehr MĂ€nner werden es ĂŒberleben, versprochen!

Einmal geriet uns eines unserer Manöver zu dicht ans Fahrwasser. Keine Gefahr, aber Henriette sah im Wasser schon verdammt realistisch aus. Prompt traf ein Funkspruch bei uns ein, ob Hilfe nötig wÀre. Sah man Henriette so neben den riesigen Pötten in der Elbe treiben, konnte man schon Sorge bekommen. Gut zu wissen, dass so viele Leute, ihre Augen offen hielten, auch wenn sie in diesem Fall nur einen Dummy schwimmen sahen. Der wesentliche Trick, den wir alle in dieser Woche verinnerlichten, war, gar nicht erst ins Wasser zu fallen!

Henriettes Ankerbier
Henriettes Ankerbier

Als vollwertiges Crewmitglied erhielt Henriette dann irgendwann auch ihr Anlegerbier. Wer es ihr gab, weiß ich nicht. Trotzdem, sehr auf Dein Wohl, Henriette, wir haben viel durch Dich gelernt. Sei nicht bös‘, dass wir Dich so oft getreten haben.

Stratocumulus

Herzlich lachen musste ich, als ich nach unserem Törn die Fotos anschaute, welche die anderen geschickt hatten. Neben vielen wunderbaren Erinnerungen zeigte eines auch insbesondere – nichts. Noch nie war mir ein Foto untergekommen, das den Nebel ĂŒber dem Fluss so schön erscheinen ließ wie dieses. Nicht als illuminiertes Wolkenband ĂŒber dem Wasser wie sonst so oft, sondern direkt aus dessen Mitte heraus: ein graues Nichts in alle Richtungen. Folker hatte fĂŒr uns den Nebel fotografiert, in dessen Essenz sozusagen, als Unmöglichmachung der Sicht, als graues Tropfenband, das sich ĂŒber alles und jeden legte, uns die Sinne raubte, wie ein Wattebausch die Ohren zu verstopfen pflegte.

Nur zu gut konnte ich mich an den zugehörigen Morgen erinnern. Abends hatten wir noch bei einem herrlich klaren Sonnenuntergang bei Pagensand geankert. Die Elbinsel empfing uns mit ihrer ganzen unverkennbaren Schönheit im Abendrot und schickte vorsichtig einen Seeadler als SpĂ€her in unsere Richtung aus. Beruhigt feststellend, dass wir mit unserem Boot dort bleiben wĂŒrden, wo wir unseren Anker in den Elbschlick hatten fallen lassen, zog er mit seinen mĂ€chtigen Schwingen ein paar Kreise und war schon wieder verschwunden, bevor wir unser GlĂŒck, ihn ĂŒberhaupt entdeckt zu haben, fassen konnten.

Sternenklar wurde es in dieser Nacht, und das Ankerbier im Cockpit ließ uns schon ein wenig frösteln. Keiner von uns erwartet fĂŒr den nĂ€chsten Tag dieses wattierte Nichts, das uns dann am Morgen empfing. In alle Richtung nichts – nicht einmal die Insel war mehr zu sehen, die doch in nur kurzer Entfernung zu uns lag. Und auch das Zollboot, das unser AIS als weiteren Ankerlieger dieser Nacht dort auswies, löste sich erst viele Stunden spĂ€ter mit der krĂ€ftiger werdenden Sonne aus seinem Wattebett.

Sicher, Nebel war nicht gerade eine Seltenheit auf diesem Fluss. Oft zog er in die Stadt hinein und erst als ich mehrere Jahre an Orten gelebt hatte, die keinen Wasserlauf ihr eigenen nennen konnten, stellte ich fest, dass man dieses NaturphĂ€nomen tatsĂ€chlich auch vermissen konnte. In dieser Hinsicht unvergesslich auch eine meiner ersten Autofahrten in Dithmarschen: der Nebel lag dort so dicht ĂŒber der Straße, dass man sich mehr vortastete als fuhr. Zu Fuß wĂ€re ich damals wahrscheinlich schneller gewesen. Mindestens ebenso wie den Nebel wĂŒrde ich spĂ€ter auch den Wind vermissen. In meiner Kindheit heulte er oft um und an einigen Stellen leider auch durch unser Haus. SpĂ€ter, als er dann an anderen Orten fern der KĂŒste völlig ausblieb, war es mir manchmal, als hĂ€tten sie mir die Luft zum Atmen genommen…

Wetter: Analysekarten-Studium
Wetter: Analysekarten-Studium

Wetter war ein wichtiges Thema fĂŒr uns auf diesem Ausbildungstörn. Artig prĂŒften wir den Himmel ĂŒber uns und riefen die Wolken bei ihren Namen. Nach und nach ordnete sich das ĂŒberirdische Geschehen fĂŒr uns in diesen Tagen wie ein zuvor unbekanntes Experiment auf einem Labortisch und wurde lesbar – Ă€hnlich wie die Analyse- und Prognosekarten, die wir morgens zum FrĂŒhstĂŒck studierten.

Von Schlicklöchern und anderen FettnÀpfchen

Zu den wiederkehrenden Missgeschicken dieser Woche zĂ€hlten natĂŒrlich die vielen schön gefahrenen Patenthalsen, fĂŒr die wir an manchem Tage glatt einen Wettbewerb ausriefen. GlĂŒcklicherweise reduzierte sich ihre Anzahl mit dem NĂ€herrĂŒcken des PrĂŒfungstermins, und niemand von uns sollte schlussendlich an ihnen scheitern.

Weniger offensichtlich fatal, dafĂŒr mit sehr viel mehr Stress verbunden war dagegen die von Christian ersonnene Skipper-of-the-day-Navigationsaufgabe im TidengewĂ€sser der Elbe. Er machte sich einen Spaß daraus, uns immer wieder mit der Frage zu triezen, ob man nicht diesen oder jenen Minihafen ansteuern könne. Kommen wir da rein? Wie viel Tiefgang hatten wir noch mal? Herrje, und wie viel Wasser wĂŒrde da bei Niedrigwasser noch ĂŒbrig sein? Und…? Also reinfahren vielleicht, raus – auf keinen Fall! Einmal hieß er uns stoisch auf eine winzige Hafenzufahrt zuhalten, RudergĂ€nger und Skipper of the day trat dabei gleichermaßen der Schweiß auf die Stirn. Können wir? Können wir nicht? Quasi in letzter Minute blies Christian das Manöver dann ab, eine Wende und alles entspannte sich wieder sichtlich.

Nichts gegen Alexs und Georgs Neugier, wie es wohl sein mochte, mit einem Schiff trockenzufallen. Mir kamen dazu wieder meine Dominosteinchen-Bilder in den Sinn, die ich mir schon in Spiekeroog ausgemalt hatte. Aber sechs Stunden irgendwo im Schlick zu stecken, hieß eben auch, sechs Stunden weniger Training und das wollten wir dann doch alle gerne vermeiden.

Wie viel Wert einige von uns tatsĂ€chlich auf das praktische Üben legten, wurde besonders am letzten Tag vor der PrĂŒfung deutlich. WĂ€hrend ich schon lange mĂŒde und die ewigen Wiederholungen der immer gleichen Handgriffe auf dem Boot im Köhlfleet irgendwie auch leid war, wollten einige von uns gar nicht aufhören. ‚Noch einmal An-und Ablegen – nur noch einmal.‘ Als wĂ€re es eine besondere Köstlichkeit, von der man einfach nicht die Finger lassen konnte. Schon putzig, was PrĂŒfungsstress aus erwachsenen Menschen machen konnte. Und wie dankbar war ich, als wir es am nĂ€chsten Tag endlich alle hinter uns hatten.

Doch noch lagen alle Herausforderungen vor uns, so zum Beispiel die Frage, ob man eigentlich mit unserem Boot die Schwinge rauf bis Stade fahren könne, um dort eine Nacht festzumachen. Ja, im Prinzip… Auch diese Idee ließ Christian uns seelenruhig selbst entwickeln und dann, schon in der Umsetzung begriffen, auch eilig wieder verwerfen. Mehr als eine Schleuse lag fĂŒr uns auf diesem Weg, und es stellte sich erneut die Frage nach unserem Terminplan. Wann war die Schleuse besetzt? Wann war Hochwasser? Wann konnten wir also zurĂŒck in die Elbe? Nein, keine Chance, also umdrehen – aber erst einmal Können vor Lachen, wenn man auf einem FlĂŒsschen unterwegs ist, das so breit war wie unser Schiff lang. Drehen auf engem Raum bekam dort fĂŒr uns sofort eine ganz andere praktische Bedeutung.

Auf Grund
Auf Grund

Gab es ein GerĂ€usch? Ich kann mich gar nicht darauf besinnen, wenn es so gewesen sein sollte. NatĂŒrlich spielt mir meine Phantasie einen lauten knarzenden Ton vor, wenn ich an das Ereignis denke, aber – ehrlich gesagt – passierte es wohl ganz klammheimlich, ohne dass es von irgendeinem dramatischen GerĂ€usch begleitet gewesen wĂ€re. Wir saßen fest! Aufgelaufen, festgefahren im Elbschlick an der Spitze von Rhinplatte. Nach einer etwas wirren Diskussion zwischen RudergĂ€nger und Skipper of the day ging es, statt zurĂŒck ins Elbfahrwasser, erst einmal einfach gar nicht weiter. Christian blieb, fĂŒr uns alle erstaunlich genug, völlig entspannt. So war er fĂŒr uns nicht nur Richtfeuer fĂŒr aufziehende Unwetter, sondern auch psychologisches Quermarkenfeuer dafĂŒr, wie tragisch (‚Sehr!‘ hĂ€tten wir ohne ihn einstimmig alle sofort versichert) unsere Lage wohl wirklich war. Unproblematisch unter den folgenden beiden Bedingungen war die Ansage: a) weicher Untergrund – Schlick war fĂŒr solche ZwischenfĂ€lle also super, b) auflaufendes Wasser – denn hey, jede Minute brachte mehr davon unter unseren Kiel zurĂŒck. So hieß die Devise also im Wesentlichen: abwarten. Aber vielleicht konnte man das Ganze ja doch kĂŒnstlich ein wenig beschleunigen? Nach dem ersten Schreck hing plötzlich der grĂ¶ĂŸte Teil unserer Crew mitschiffs eingepickt an den Steuerbordwanten ĂŒber die Reling. Wenn es uns gelĂ€nge, den Schwerpunkt des Bootes ein wenig zu verlagern, den Kiel nur ein bißchen schrĂ€ger zu stellen… Nur ein bißchen… Nur etwas… Gute zehn Minuten hing unser menschlicher Ballast so ĂŒber dem Elbwasser rum. ‚Trimmschweine‘, wie Robert das mal so schön genannt hatte, dann war unser Boot endlich wieder frei, und es konnte weitergehen. Ein sehr eindrĂŒckliches Erlebnis – so mitten im Fluss festzustecken. Wohl keiner von uns hĂ€tte damit gerechnet, dass so etwas passieren könnte. Untiefen, Ebbe und Flut – ja, hatten wir alle von gehört, uns in der TheorieprĂŒfung auch schon damit herumgeschlagen – aber was das fĂŒr ein Boot bedeutete, bedeuten konnte, das haben wir wohl alle erst in diesen zehn Minuten erfasst, die – zumindest mir – wie eine gefĂŒhlte Ewigkeit vorkamen.

Spielen II

Alles einmal ausprobieren dĂŒrfen, alles einmal machen dĂŒrfen, das hat mir, glaube ich, in dieser Woche mit am besten gefallen. Wie ein Kind spielerisch lernen, z.B. am Plotter einfach mal ein paar Wegpunkte einprogrammieren und dann dem nĂ€chsten erklĂ€ren, wie das geht. Den Wetterbericht am Navtex ablesen, die Genua ab- und die Fock wieder anschlagen, Leinen ĂŒber Klampen werfen – nicht weil es jetzt mal eben schnell klappen muss, sondern solange wie man Spaß an der Sache hat. Und, ganz wichtig, alles selber machen, nicht die Dinge aus der Hand genommen bekommen und zack-zack, ‚Haste gesehen?‘ Nein, natĂŒrlich nicht! Etwas, das ich wirklich hasse. Niemand kann auf diese Weise etwas lernen, auch die nicht, die da meinen, gerade etwas demonstriert zu haben. Leider bleibt diese Masche weit verbreitet, leider meist dann, wenn MĂ€nner Frauen etwas erklĂ€ren oder zumindest so tun also ob. Auf meinem Schreibtisch liegt dazu ein schönes Buch von Rebecca Solnit „Men explain things to me“. Es beginnt mit einem GesprĂ€ch bei einer Party. ER: ‚Ah, Sie arbeiten zu Muybridge, da mĂŒssen Sie unbedingt noch dieses ganz neue wichtige Buch lesen….‘ ER erzĂ€hlt und erzĂ€hlt, ohne zu merken, dass ER mit der Autorin eben jenes Buches spricht, das ER ihr gerade zu lesen so ans Herz zu legen versucht. Zuhören ist in meiner Profession leider als Tugend nicht sehr verbreitet. Wer zuhört, gilt als schwach. Lieber halten sie endlose Monologe, auch wenn sie zur eigentlichen Frage lĂ€ngst nichts mehr zu sagen haben. Das gilt im Übrigen fĂŒr MĂ€nnlein und Weiblein gleichermaßen. Viele kluge Menschen habe ich daran erkannt, dass sie ihrem GesprĂ€chspartner erst mal Zeit gaben, die eigenen Gedanken zu formulieren, bevor sie gemeinsam eine Antwort suchten.

Auf der „Hamburg Express“ war das kein Problem. Wir haben zusammen gelernt, zusammen auf die PrĂŒfung hin gefiebert und zusammen aufgeatmet, als diese endlich vorĂŒber war…

Das einzige, das spieltechnisch viel zu kurz kam in dieser Woche, waren die beiden Gitarren, die Folker und Alex mit an Bord gebracht hatten. Nur am letzten Abend fand sich die Gelegenheit fĂŒr eine Kostprobe, die es dann umso bedauerlicher erscheinen ließ, dass wir vorher keine Zeit dafĂŒr gefunden hatten.

Smutjes ZauberkĂŒnste

Wasser kochen könne er, verkĂŒndete er grinsend in der Runde am ersten Tag. Ich hielt wohlweislich meine Klappe. Kochen war wirklich nicht meine StĂ€rke und sicher auch alles andere als mein Interesse. Diese Woche galt es aber, dass jeder alles einmal machen musste. Insbesondere sollten wir lernen, was wir noch nicht konnten. So war ich froh, dass es einen anderen traf, Lehrling des Smutjes zu werden, doch saß auch ich irgendwann artig unter Deck, GemĂŒse und Salat schnippelnd.

Smutjes ZauberkĂŒnste
Smutjes ZauberkĂŒnste

Alex und Folker ĂŒbernahmen dabei gleichermaßen die Rolle der Ausbildungsleiter in der KombĂŒse der „Hamburg Express“ und verwandelten zuverlĂ€ssig unseren 300Euro-Einkauf Tag fĂŒr Tag in extrem leckere Gerichte.

Fliederbeersuppe. Birnen, Bohnen und Speck. Sogar den gefĂŒrchteten Schwarzsauer entdeckte ich staunend auf der Speisekarte des „Kleinen Heinrich“ in GlĂŒckstadt – einem wunderschönen Restaurant am Marktplatz – nur fĂŒr große Leute wie unseren Zweimeter-Fred etwas herausfordernd in der Architektur der verbauten StĂŒtzbalken.

"Der Kleine Heinrich", GlĂŒckstadt
„Der Kleine Heinrich“, GlĂŒckstadt

Der Rest der Crew war hellauf begeistert, waren sie alle doch auf der Suche nach norddeutscher KĂŒche hierher geströmt – und ja, genau das gab es hier, regionale KĂŒche der feinsten Art. Liebe Mama, dies ist ein Eintrag fĂŒr Dich. In einem anderen Leben hĂ€ttest Du mit Deinen KochkĂŒnsten ein Restaurant eröffnen können, wer hĂ€tte das gedacht? In dieser Speisekarte jagte also ein Kindheits-DĂ©jĂ -vu das nĂ€chste. Zugegebenermaßen hĂ€ngt mein Herz nicht gerade an diesen Gaumenfreuden – außer natĂŒrlich an Bratkartoffeln und BauernfrĂŒhstĂŒck und, nicht zu vergessen, am Milchreis. Trotzdem kann dem „Kleinen Heinrich“ auch fĂŒr den dort angebotenen GemĂŒseteller ein uneingeschrĂ€nktes „Lecker!“ verliehen werden.

Losmachen

‚Nun geh‘ mal und mach‘ Dein Schiff klar!‘ Was fĂŒr ein Satz! Was fĂŒr eine wundervolle Aussage: ‚mein Schiff.‘ DarĂŒber gerĂ€t man ins TrĂ€umen, auch wenn Robert sicher zu Recht das eigene Boot als Loch im Wasser beschrieb, in das man ohne Ende Geld hinein fĂŒllen könnte und trotzdem…

Elbe bei Hamburg
Elbe bei Hamburg

An diesem Tag hieß Christians Ansage fĂŒr mich erst einmal nur, dass ich die „Hamburg Express“ von der einen Seite des Stegs zur anderen bringen musste, damit wir spĂ€ter leichter wĂŒrden ablegen können. Am PrĂŒfungstag war ich Skipper of the day, meine Aufgaben als solcher also ĂŒbersichtlich, worĂŒber ich mehr als froh war, hatte ich in der Nacht zuvor doch so gut wie gar nicht geschlafen. Alexander erzĂ€hlte spĂ€ter, ich hĂ€tte in der Koje gesessen und Kommandos erteilt. Gut möglich, ging ich in jener Nacht doch jedes geĂŒbte Manöver Mal um Mal im Kopf erneut durch. Die anstehende PrĂŒfung ließ keinen von uns kalt, aber wir stellten uns ihr trotzdem alle tapfer. Heute verfĂŒge ich nun ĂŒber ein lustig buntes Quartett an BefĂ€higungsnachweisen des DSV. Welche Karte wollen wir heute spielen? See oder Binnen, SRC oder UBI? SKS sticht!