Als Kind habe ich mit Begeisterung „Die Acht vom großen Fluss“ gelesen – eine Jugendbuchserie ähnlich wie „Die fünf Freunde“, nur eben drei mehr und ohne Hund, dafür aber mit Elbe. Heute, so viele Jahre später, bin ich nun selbst Teil eines großen Abenteuers auf diesem Fluss – oder, besser gesagt, fühle mich als ein solcher – der uns ohne große Umschweife hinaus in alle Weiten der Welt tragen konnte. Leinen losgeworfen, Segel gesetzt und schon ist man mitten drinnen in dieser herrlichen Erzählung von Freiheit und Abenteuer…

Wedel, Yachthafen 2018
Wedel, Yachthafen 2018

Diese Geschichte könnte ihren Anfang am besten in ihrem Ende nehmen, in diesem Ende am Dienstagvormittag nach Pfingsten auf der Elbe kurz hinter Wedel. Ich sitze auf dem Steuerbordsüll unserer „Helgoland Express“ und starre in die Ferne, deren Teil wir gerade noch gewesen waren. Wehmut – klingt vielleicht kitschig, war aber das richtige Wort für diesen Moment. Wehmut bei der Einsicht, dass in demselben Maße, in dem das Fahrwasser der Elbe immer schmaler, auch unser Leben wieder enger und enger wurde. Noch ein paar kurze Stunden, dann würden wir wieder als jene Anzugträger von Bord gehen, als welche wir gekommen waren, bevor wir – dazwischen – was wurden?

Elbe
Elbe

Ich habe es immer übertrieben gefunden, Freiheit als ein Gefühl zu bezeichnen. Nein, der rationale Teil von mir hatte es auch für sachlich schlicht falsch erklärt. Freiheit ist ein Zustand mit zwei wichtigen Bestandteilen, nämlich der Abwesenheit von Zwang und dem Vorhandensein von Möglichkeiten, aber eben sicher kein Gefühl – soweit also die Ratio. Aber waren wir nicht alle auch fehlbar? Und wenn ich eines mit den vergangenen fünf Tagen auf diesem Boot verband und wenn es eines gab, dem ich nun, in die Ferne starrend, nachtrauerte, dann war es genau das – das Gefühl von Freiheit, das plötzlich möglich erschien. Das, was uns aus diesem ein- und festgefügten Dasein für Momente herausgehoben und uns die Welt von oben gezeigt hatte, wie Carl Sagans zweidimensionale Wesen nach einem unvermuteten Luftsprung plötzlich in der dritten Dimension das Innerste ihrer Genossen erspähen konnten – so einfach ließ sich das Unvorstellbare erklären. Das war Freiheit, und genau diese sah ich nun in der Ferne entschwinden, denn vor uns lag die Stadt mit ihren Jobs, Rechnungen, Versicherungen und all dem anderen. ‚Doch eines können sie uns nun nicht mehr nehmen‘, dachte ich später, ‚und das ist der Sand in den Schuhen von Spiekeroog…‘

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