„Feuer-Wasser“

MĂ€rz 2026

Im MĂ€rz war endlich der Schnee geschmolzen. Fast zwei Monate lang hatte die Stadt einen echten Winter erlebt. So echt, dass bald nichts mehr ging, weil sich keiner mehr daran erinnern konnte, was das war: Winter.

Aber jetzt im MĂ€rz war die zentimeterdicke Eisschicht auf den Wegen wieder zu Wasser geworden und allmĂ€hlich versickert. Die Sonne war mit aller Kraft zurĂŒckgekehrt, und Wedel glich sofort einem emsigen Bienenstock. Überall wurde geschliffen, gebastelt, gewerkelt. Kein Wunder, in nur zwei Wochen wĂŒrde die Kransaison beginnen, die ersten Boote sollten schon wieder zurĂŒck ins Wasser. Höchste Zeit also, die eingefrorene Winterarbeit endlich unter Hochdruck zu erledigen.

Ganz so eilig war es bei uns nicht. Unsere „Frida“ sollte erst Ende April zurĂŒck in ihr Element kehren dĂŒrfen. Bis dahin stand sie weiterhin und wortwörtlich auf einem der letzten PlĂ€tze im Winterlager. Aber die Plane hatten wir schon abgenommen, denn auch uns hatte das Bastelfieber lĂ€ngst ereilt.


Ostern 2026

Ein ganz besonderer FrĂŒhlingsabend war das. Das erste Mal in diesem Jahr auf dem Wasser. Das erste Mal wieder unter Segeln. Das erste Mal unter Segeln an den Hamburger Osterfeuern vorĂŒber.

Gegen vier trafen wir uns alle im Wedeler Yachthafen, wo die „Dockenhuden“ schon im Wasser lag. Ihr neues, schwarzes Rigg war nicht zu ĂŒbersehen.

Dick eingepackt hatten wir uns alle, immerhin war es erst Anfang April und noch am vorherigen Morgen waren die DĂ€cher weiß vom Raureif der Nacht gewesen.

Die Stimmung an Bord war dafĂŒr von Anfang an ausgelassen. Nach letzten Basteleien am Boot und dem Eintreffen der Crewmitglieder ging’s los. ‚Wo wollt ihr hin?‘ ich konnte meinen Ohren nicht trauen. In den Jollenhafen zum MSC, war die Ansage. Dort sollte es Burger geben. Nichts gegen die GourmetwĂŒnsche meiner Mitsegler, aber in den Jollenhafen? Mit der „Dockenhuden“?! ‚Wieso? Wir haben doch Hochwasser‘, kam es zurĂŒck. Ja, schon, aber zweifĂŒnfzig Tiefgang… Wie oft hatten wir uns dort in der letzten Saison mit unseren Suns durchs Schlickbett geschlichen. Und jetzt mit diesem Dampfer (eine X-41)?

Aber der Plan stand fest, und so zogen wir auf der Elbe das Großsegel hoch. ‚Best of Meat‘, prangte in riesigen Lettern ĂŒber uns – die Reffleinen lagen ja noch gut verstaut auf der RĂŒckbank von Franks Auto. Ein Vorsegel gab’s auch noch nicht – wegen verschiedener ‚technischer‘ Unstimmigkeiten. ‚Warum, zum Henker, passt das blöde
?!‘ Nun ja, ein Vorsegel gab’s also noch nicht. Wind aber leider auch kaum. Trotzdem kamen wir gut voran.

Am Ostende von Nesssand tauchten dann nicht nur nacheinander zwei Riesen-KussmĂŒnder der Aida-Flotte im Fahrwasser auf, sondern ĂŒber dem MĂŒhlo auch die erste schöne Brise des Abends, die allen ein breites Lachen ins Gesicht zauberte – so es die herzhaften BlĂ€tterteig-Variationen von Birgit und die sĂŒĂŸen Muffins von Wiebke noch nicht geschafft haben sollen.

Es wurden also zwei Wenden mehr, bis dann doch von Maik das Kommando zum Segelbergen kam, und wir unter Maschine in der Tat in den Jollenhafen einliefen. Am Clubhaus scharte sich eine Menschenmenge um den begehrten Burgerstand, zu dem auch wir uns eiligst auf den Weg machten, bis uns das verschlossene Hafentor erst einmal wieder zum Stehen brachte. Ein kurzes Telefonat, ein einsichtiger Hafenmeister und knurrende MĂ€gen taten ihr Übriges, sodass wir nur Momente spĂ€ter mit den begehrten Snacks in den HĂ€nden am Tisch standen.

‚Wir sind mit dem Boot gekommen. Na, mit der Yacht, die dort im Hafen liegt‘, erklĂ€rten wir nur zu gern allen, die neugierig fragten. In der Tat war es ein Bild fĂŒr die Götter, die „Dockenhuden“ dort so ganz allein im Schwell des Hafens schaukeln zu sehen.

Der RĂŒckweg fĂŒhrte uns dann an den Osterfeuern der ElbstrĂ€nde vorĂŒber. Was fĂŒr ein Bild! Im Westen der Sonnenuntergang ĂŒber dem Fluss und am Ufer die brennenden Feuer.

Mit Wiebke zusammen saß ich auf dem Vorschiff und konnte mich nicht satt sehen an der Szenerie, die so malerisch und in vollkommener Ruhe an uns vorĂŒberzog. Keine Menschenmenge, die sich um einen drĂ€ngte. Einzig ein wundervoller Blick auf die Feuer an Land und ihren gespiegelten Widerschein auf dem Wasser des abendlichen Flusses.

Ein herrlicher Saisonauftakt, auch wenn die RĂŒckfahrt unter Motor stattfand, da der Wind nun gĂ€nzlich eingeschlafen war. Als wir in Wedel spĂ€ter die Leinen wieder festmachten, hatte sich schon die Nacht ĂŒber den Hafen gelegt. Unsere „Frida“ schlummert noch an Land, aber nur noch ein paar Wochen lang, dann wĂŒrde auch sie wieder an ihrem Steg schaukeln.


April 2026

Heute Morgen war ich im Sommer zu Besuch. War kurz in Wedel, um eine Leine zu richten, die wir am Tag zuvor vergessen hatten.

Der Hafen war so ruhig. Spiegelglattes Wasser, Sonne und die ersten Schwalben. Kein Wind und damit ein krasser Kontrast zum Vortag, als wir „Frida“ kranten und in Finkenwerder Böen von sechs Beaufort gemeldet wurden.

Gott sei Dank, ging alles recht schnell. Die Hafenmeister waren so fix, dass ich noch nicht einmal ein Bild von „Frida“ im Kran habe machen können. KunststĂŒck. Alexander und ich waren dieses Mal allein. Wir waren sehr zeitig vor Ort und hatten alles gut vorbereitet, sodass sie uns mehr als eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Termin schon ins Wasser gesetzt hatten.