„The eagles are coming“

Juni 2026

Manchmal ist man sich ja nicht sicher. Meist sind sie viel zu hoch am Himmel. Nur noch ein undeutlicher Schatten von einer GrĂ¶ĂŸe, die einen raten lĂ€sst. Das ist alles. Andere verraten sich durch ihre Stimme. Unverkennbar die Mauersegler, die den Sommer herbeischreien. Der MĂ€usebussard, der sich gegen die Attacken der KrĂ€hen empört. Aber dieser Schatten bleibt meist stumm, schraubt sich nur immer weiter hinauf in den Himmel, bis man ihn aus den Augen verliert und wieder nicht recht weiß


Doch dieses Mal war es unverkennbar: Über der Haseldorfer Marsch flog er mĂŒhelos auf krĂ€ftigen Schwingen an uns vorbei – ein Seeadler. Was fĂŒr ein Anblick!

Das war mein Highlight. Alexander und Matt dagegen werden als das ihre wohl das Bad in der Elbe nennen, wÀhrend wir vor Kollmar vor Anker lagen und auf das Kentern der Tide warteten.

Vor Kollmar – ganz recht. Eigentlich hatten wir ja nach GlĂŒckstadt gewollt: drei Suns aus unserem Club und unsere „Frida“. Doch hinter LĂŒhesand war dann auch das letzte bisschen Wind verflogen. Die bunten Gennaker der Suns hingen als schlaffe SĂ€cke an ihren Leinen, und mir floss der Schweiß in Strömen ĂŒbers Gesicht.

Gott, war das heiß. Sicher der heißeste Tag des bisherigen Jahres. Hatte es noch mit einer hilfreichen, lockeren Wolkendecke begonnen, brannte seit dem Mittag die Sonne ohne Erbarmen. Direkt nach dem sich unser Anker eingegraben hatte, ließ sie mich unter Deck flĂŒchten. Bloß ein bisschen Schatten. Was fĂŒr eine Hitze!

Kollmar hatten wir angelaufen, weil auf der „Enterprise“ ein Skipper-Wechsel stattfinden sollte. Der war eigentlich fĂŒr GlĂŒckstadt vorgesehen gewesen, aber was bringt schon ein ‚Eigentlich‘ bei null Beaufort? In Kollmar gab es zumindest eine Fischer-Kaje zum kurzen Festmachen fĂŒr besagte Sun und ihre Crew. Wir trafen bei Niedrigwasser ein. Vermerkten rein optisch die Wassertiefe des zugehörigen Hafens bei: null.

Dann doch lieber hinter Pagensand den Anker fallen lassen. Und wĂ€hrend Matt von der „Enterprise“ und Alexander von der „Frida“ ins nasse VergnĂŒgen hĂŒpften, schĂŒttete ich das Wasser lieber in mich hinein. Bloß endlich trinken nach dieser Sommerfahrt. Und einmal kurz die Augen


‚Wir mĂŒssen los. Wir haben einen Fender verloren!‘ kam es da von oben. Los? ‚Aber ich bin noch nicht
‘, versuchte ich einen milden Protest, wĂ€hrend ich unseren Fender gen Horizont treiben sah. Na gut, na schön – also schnell Anker auf und im RĂŒckwĂ€rtsgang dem treibenden Gummiball hinter her.

‚Fender gerettet!‘ Ein GlĂŒck, dann konnte es ja auch gleich weitergehen zurĂŒck nach Wedel. Auf dem Fluss unternahmen wir noch einen Segelversuch. Mussten aber einsehen, dass der Wind immer noch andernorts urlaubte. Also Genua wieder rein. ‚Und, oh, was war das?‘ Das sollte so wohl eher nicht
 Die Leine war aus dem Furler gerutscht. So viel also zum Segelprogramm dieses Tages. Wir motorten zurĂŒck.

Die Suns dagegen holten die Segel raus. Kein Wunder, hĂ€tte ich auch gemacht, wenn ich die Wahl zwischen RasenmĂ€her-Außenborder und Segeln gehabt hĂ€tte. Und – ganz ehrlich – hĂ€tte ich auch zu gern auf unserer „Frida“ getan, denn tatsĂ€chlich kam zum Abschluss noch ein Hauch von Wind auf. Er hĂ€tte uns vielleicht gut bis Wedel bringen können – vielleicht. So blieb es mangels Genua aber bloß bei einer Motorfahrt und einem herrlichen Sonnenuntergang im Hafen.